Geburtsort:

Klinik

Liebe Kristin,

mein Mann und ich waren im November bei Dir im Seminar in Berlin.
Und wir wollten Dir gerne berichten 🙂

Allgemein ging es mir in der Schwangerschaft super, bis auf ein paar Zipperlein. Ich brauchte viel Schlaf, konnte mich manchmal auch nicht sooo freuen, schwanger zu sein. Aber sonst war alles in Ordnung.

Der errechnete Termin war der 31.1.19 und meine Ärztin war wirklich human und gab mir leicht +10 Tage Zeit. Zwar musste ich nach dem Termin alle 2 Tage zur Kontrolle des Fruchtwassers und CTG. Aber ich war guter Hoffnung und tiefenentspannt, dass sich unser Kleiner bestimmt alleine auf den Weg macht, bevor sie mich zum Vorstellen ins Krankenhaus schickt.
Eine Freundin fragte am 5.2.19 noch nach, ob es mir denn noch gut ginge, ich schickte ihr noch ein Bild von mir und ging gemĂŒtlich schlafen. Es war die Tage davor schon so, dass mein Bauch immer wieder mal hart wurde, aber ich kannte ja keine Wellen und wusste auch nicht, ob ich Senkwehen hatte, da ich zum ersten Mal schwanger war. Schmerzen jedenfalls traten zu keiner Zeit auf 🙂

Nachts ab 3 Uhr ging es dann los am 6.2.19, ich stand auch wĂ€hrend der Schwangerschaft nachts des Öfteren auf und blieb im Wohnzimmer, um meinen Mann nicht zu wecken. Es kamen also immer wieder mal Wellen, aber noch nicht regelmĂ€ĂŸig. Alles schmerzfrei. Ich machte mir HimbeerblĂ€ttertee, stellte alles gemĂŒtlich bereit, klappte meine Kopfhörer auf und hörte Deine Trance „WĂ€hrend der Geburt“. So lag ich entspannt mit meinen zwei Katern, die sich zu mir gekuschelt hatten auf unserer Couch.
Ich sah auf die Uhr und beschloss bis 6 Uhr ginge das schon noch, da mein Mann da eh aufstehen musste zur Arbeit. Die Wellen wurden stĂ€rker und kamen regelmĂ€ĂŸig, allerdings stoppte ich da nicht mit oder so. TatsĂ€chlich war es irgendwann 6 Uhr am Mittwoch Morgen und ich meinte zu meinen Mann, dass er heute wohl lieber nicht zur Arbeit fĂ€hrt 😉 Er packte noch den Rest ins Auto, ich hatte mein Nachthemd, ne Trainingshose und Winterjacke an, konnte noch selbst in die Turnschuhe schlĂŒpfen. Sah allgemein etwas seltsam und bunt aus denk ich. Haare zerzaust – im Nachhinein echt lustig. So schlappte ich also aus der HaustĂŒr, mein Mann hatte das Auto mit Warnblinker abgestellt und packte mich in den mit Handtuch ausgelegten Autositz. So starteten wir gegen 6.20 Uhr los ins Krankenhaus. Die Fahrt war unangenehm und kam mir eeewig vor (40 Min.), das Wetter war nicht so toll, doch wir kamen dann kurz nach 7 an.
Fuhren in den 2. Stock, dort kniete ich im Buffettraum gekrĂŒmmt auf den Boden und Stuhl anhaltend im VierfĂŒĂŸler. Ich teilte meinen Mann noch mit, dass ich so einen argen Pressdrang hab, nicht weitergehen kann und er des dem Personal bitte sagen soll. Die diensthabende Hebamme nahm an, dass ich simulierte. (…) Als ich wiederholte, dass ich so einen Pressdrang hĂ€tte, sah sie gnĂ€digerweise mal nach. „Oh, doch schon 5cm, da fahren wir gleich weiter zum Kreißsaal!“
SCHICHTWECHSEL
Ich denke, die Hebamme davor war einfach durch. Soweit ich weiß, gibts dort 4 freiberufliche Hebammen, die 24-Std.-Dienste leisten und dann 3 Tage frei haben. Jetzt kam unsere „Wunschhebamme“, die wir schon beim Info-Abend kennenlernten. Elisabeth strahlte eine wahnsinnige Ruhe aus, war Ă€lter (vermutlich wenige Jahre vor der Rente). Den Kreißsaal kannte ich ja schon von der Besichtigung. Ich war die ganze Zeit ruhig und ließ alles auf mich zukommen. Die Kopfhörer hatte ich nicht mehr auf.

Nun bekam ich einen Zugang oder vielleicht wurde der auch schon am Zimmer gemacht, das weiß ich nicht mehr genau. Mir wurde nur FlĂŒssigkeit angehĂ€ngt und diese lief durch. Meine grĂ¶ĂŸte Sperre war gegen diesen Zugang, aber nun da er da war, störte mich diese KanĂŒle Null, darĂŒber macht man sich wirklich keine Gedanken mehr.
Ich fĂŒhlte mich wohl. Krabbelte im VierfĂŒĂŸler auf das Bett im Kreißssaal, welches man in alle möglichen Richtungen umklappen und hoch/runterfahren konnte. Sie bedeckte mich ĂŒber den Hintern mit einer weichen kleinen Decke und saß hinter mir. Streichelte sanft meinen unteren RĂŒcken – und das tat sooo gut, ich hatte solche RĂŒckenbeschwerden!! Erst ging ich immer davon aus, dass mehr der Bauch arbeiten wĂŒrde. Ich fĂŒhlte mich in meiner PrivatsphĂ€re aber sehr respektiert.

Mein Mann saß am Kopfende bzw. seitlich neben mir, reichte mir Wasser, ließ mich an unseren Öl (Anker) schnuppern, legte mir einen kalten Waschlappen auf die Stirn. Er war auch wahnsinnig ruhig und gelassen!
Die Wellen waren etwas gemein, aber total ertrĂ€glich. Erst kam immer eine, die voran trieb, dann kurz darauf eine, die fies war, aber nichts im Geburtsvorgang brachte. Somit sollte ich öfters die Position Ă€ndern, dass der Kleine einen Schubs bekommt und besser mitarbeitet. Das mobile CTG war leise geschaltet und nur mit einem „Bauchband“ an mir befestigt.

Also vom Bett langsam runter auf den Hocker. Das ging leider nicht lange, egal, wir waren alle offen und flexibel fĂŒr alles. Hier meinte meine Hebamme, dass ich die Haare schon fĂŒhlen könnte, wenn ich wolle. Komisches GefĂŒhl, wenn man selbst dann tatsĂ€chlich die Haare seines Kindes fĂŒhlen kann 🙂

So stand ich dann auch vor dem Bett mit einem Bein auf dem Bett abgestellt und das Seil in der Hand zur AbstĂŒtzung. Mein Mann stĂŒtzte mich hinten ab, so dass ich mich in seine Arme zurĂŒcklehnen konnte. Dies brachte unseren Kleinen dazu, besser mit zu arbeiten. In Gedanken redete ich immer mit ihm: Dass ich mich freue, dass er bald da ist, dass er das voll gut macht, ich ihn liebe und wir das gut hinbekommen. Der Papa sich auch auf ihn freut und wir sehr stolz auf ihn sind.

Ich lag dann schlussendlich auf der linken Seite auf dem Kreißsaalbett, mein Mann saß neben dem Bett seitlich von mir, hielt meine HĂ€nde. Nachher meinen rechten Fuß hoch, weil Elisabeth mit beiden HĂ€nden das Köpfchen halten musste.
Sie leitete generell nicht viel an, außer einmal inne zu halten, dass mich unser Kleiner etwas mehr aufdehnen konnte.
Ein kleines, brennendes GefĂŒhl machte sich breit, vergleichbar mit einem Schnittchen in den Finger am Papierrand. Nach nur 4 Presswehen war aber unser Johannes auch schon da 🙂 <3

Ich dachte so, „Wie? Schon vorbei. Wow.“

Er wurde neben mich gelegt, sah etwas blĂ€ulich aus, schrie sofort und suchte auch sofort die Brust. Ich war so ĂŒberwĂ€ltigt, mein Mann sah ihn ganz unglĂ€ubig an. GefĂŒhlt ewig sahen wir uns in die Augen und den Kleinen an.
Die Plazenta kam auch von alleine, eigentlich gleich danach (10-15 Min.), die Oxytocin-Spritze war ĂŒberflĂŒssig und wurde mir auch nicht mehr gegeben. Die Ärztin war auch schon vor Ort und sehr entspannt. Sie meinte, dass der Kleine auch keinen Stress hatte wĂ€hrend der Geburt. Das CTG war sehr gut.

Kurz darauf war die Nabelschnur auspulsiert und weiß, wie ein kleiner, leerer Gummischlauch. Mein Mann durfte sie durchschneiden. Die Plazenta durften wir mitnehmen. Ich finde, das bin ich ihr schuldig, dass sie einen schönen Platz in unseren Garten unter dem BĂ€umchen von Johannes bekommt, schließlich hat sie ihn fast ein Jahr genĂ€hrt und versorgt <3

Mit Deinem Seminar und Deinen Hypnosen wurden mir sĂ€mtliche Ängste genommen und ich konnte mich voll und ganz auf das Erlebnis Geburt einlassen. Angstfrei. Erwartungslos. Stressfrei. Schmerzarm. Eine schöne Geburt!! 🙂

Mein Mann sagte immer wieder, wie stolz er auf mich sei, erzĂ€hlte es Freunden, wie toll ich das gemacht hĂ€tte. Wie schön es war – fĂŒr uns beide. Die Folge: UnglĂ€ubige Blicke. Aber ich weiß nun auch: Es geht!!

Eine dicke Umarmung an Dich!
Tanja

PS: Mach weiter so und motiviere Frauen und auch MĂ€nner eine selbstbestimmte, friedliche Geburt haben zu dĂŒrfen!